Noch drei Tage, dann ist es unwiderruflich soweit…40. In Worten: Vierzig. Eine Zahl wie ein Peitschenschlag. Ein einschneidender Punkt im Leben der meisten Männer…nicht allerdings für mich. Nach langjähriger Beschäftigung mit dem Thema habe ich akzeptiert, dass man, sofern nicht jemand das Mittel zum ewigen Leben findet (wobei es da ernsthaft schon gute Ansätze geben soll), eines Tages die alte Kiste über mir zumachen wird. Wenn man soweit erst mal ist, dann verlieren Geburtstage eigentlich komplett ihren Schrecken, was bleibt ist ein cooler Vorwand, irgendwelche sauteueren elektronischen Spielzeuge zu schnappen („Hey, man wird schließlich nur einmal 40“).
So auch diesmal. Das zunächst favorisierte 360-Bundle wurde schnell aus Zeitmangel wieder verworfen. Das iPhone finde ich prinzipiell cool, aber aus drei Gründen kommt es nicht in Frage: Kein UMTS, keine Unterstützung für das unsympathischste Unternehmen Deutschlands, das das iPhone ja leider exklusiv vertreiben darf und vor allem die Tatsache, dass ich im Jahr wahrscheinlich keine ganze Stunde mobil telefoniere. Was bleibt? Genau, der iPod Touch, quasi iPhone –minus Phone. Da nichts blöder ist, als zu wenig Speicher zu haben und ihn nicht erweitern zu können natürlich die 16 GB-Variante.
Der erste Eindruck: Wenig. Wenn man die Schachtel in der Hand hält kann man sich eigentlich nicht vorstellen, in irgendeinem Laden der Welt für knapp 400 Euro weniger zu bekommen. Nach diesem kurzen Moment der Schwäche schaltet man das Ding ein, sieht ein paar Sekunden einen weißen Apfel und dann das iTunes-Logo und das Ende des Anschlusskabels im Display. Die nächsten Stunden, geprägt von tiefer Verzweiflung, möchte ich Euch ersparen, deshalb nur soviel: Es funktioniert nicht unter Vista x64. Shame on you, Apple, das ist nun heute wirklich nichts exotisches mehr sondern beinahe Mainstream. Zum Glück habe ich noch mein Notebook mit 32 Bit XP.
Den Vorgang „Aktivierung“ zu nennen wäre wohl etwas übertrieben, da die Registrierung freiwillig ist, der iPod will halt einmal dem iTunes Hallo sagen und dann kommt man endlich auch in die Menüs. Eigentlich etwas ernüchternd, denn verglichen mit dem iPhone stellt man fest: Verdammt wenig los hier. Keine Mail, kein Google Maps, kein Wetter, keine Aktienkurse. Doch dazu später mehr.

Instinktiv mache ich das gleiche wie in meiner Abendschule nach dem Einschalten der PCs: Erst mal gucken ob Internet geht. Doppelklick auf Safari. Mein WLAN-Netz wird sofort gefunden, dann wird noch nach dem Passwort gefragt und es geht sofort los. Respekt – das hat so noch niemand hinbekommen, selbst an der PSP muss man mehr einstellen. Der Browser ist die wohl pfiffigste Lösung, die ich bisher für mobile Geräte gesehen habe: Eine Website wird komplett dargestellt, wenn man dann etwas lesen will macht man einen Doppelklick mit dem Finger auf den Bereich und er wird vergrößert dargestellt. Das funktioniert eigentlich immer dann recht gut, wenn Text enthalten ist. Wenn sich der Text in grafischen Elementen befindet, reicht mir die Vergrößerung manchmal nicht ganz aus – aber ich bin ja auch alt. Unter dem Strich ein sehr guter mobiler Browser, dem lediglich die Flash-Unterstützung fehlt.
Dann geht es sozusagen an die Kernkompetenz des iPod: Musik abspielen. Meine Musiksammlung besteht zum größten Teil aus MP3s oder AACs, die ich selbst von CDs geript oder mit Tunebites ganz legal aus DRM-geschützten WMAs erstellt habe. Im ersten Schritt importiere ich einige Alben mit insgesamt 475 Songs in iTunes. Danach meldet iTunes, dass es die Cover nachlädt („Wow!“ denke ich) und Informationen für die unterbrechungsfreie Wiedergabe erstellt – sind auch ein paar Live-CDs bei. Ich schiebe das Zeug direkt auf den iPod (manuell, mit der automatischen Synchronisation habe ich schlechte Erfahrungen gemacht da sie ohne Nachfrage Zeug auf meinem alten iPod Nano gelöscht hat das ich nicht mehr auf der Platte hatte) und – ein Debakel. Nicht ein einziges Cover ist drauf, zudem fehlen etliche Songs in den Alben, für die iTunes aus nicht nachvollziehbaren Gründen ein eigenes Album erstellt hat. Nach intensiver Nachbearbeitung am PC habe ich die Alben geordnet, die Cover nachgeladen oder in einigen Fällen von Amazon heruntergeladen und manuell eingebunden. Wieder rüberschieben. Jetzt haben immerhin einige CDs ein Cover, aber bei weitem nicht alle. Erst nachdem ich die verhasste automatische Synchronisation aktiviere wird alles richtig übertragen – grummel. Ich habe es noch nie eingesehen, warum ich Musik, die ich auf einem tragbaren Player habe, zusätzlich noch auf der Platte vorhalten muss. Für mich als Winamp-User der ersten Stunde ist iTunes einfach nur eine Strafe (meines dunklen) Gottes, auch wenn mir die Apple-Fans ständig erzählen wie genial das alles sein soll- iiiih, mach’s weg. Dummerweise nützt das nichts, da man den Toch nicht auf andere Weise befüttert bekommt.
Der erste Aufruf der Albenliste entschädigt mich aber wieder, zunächst alphabetisch dargestellt, aktiviert man einfach durch Drehen des iPods um 90 Grad das schon legendäre Cover Flow – ein Moment, den man einfach nur groß nennen kann. Alle Covers werden sozusagen kreisförmig dargestellt, das vorderste sieht man vor vorne mit einem Spiegelungseffekt, der Nerdträume wahr werden lässt – sensationell. Man muss es wirklich einmal live gesehen und auch ausprobiert haben um die Faszination nachvollziehen zu können. Der Klang ist wie erwartet und unterscheidet sich nicht hörbar von meinem alten Nano.
Nett auch die Videofunktion, ich hatte im Vorfeld schon mal eine DVD mit CloneDVD Mobile umgewandelt und gleich mit kopiert, aus einem Film von 2 ¼ h wird dabei eine etwa 900 MB große Datei. Die Qualität kann sich auf dem exzellenten Display wirklich sehen lassen, das gleiche gilt auch für die YouTube-Videos, denen man mangels Flash in Safari ein eigenes Programm spendiert hat.
Ansonsten gibt es noch einen Kalender, ein Adressbuch, eine Weltzeituhr und einen Taschenrechner, so dass der Touch für anspruchslose Naturen durchaus auch als eine Art Minimal-PDA nutzbar ist. Das war es eigentlich, ein Entwicklerkit für eigene Anwendungen soll im Februar kommen. Also geht nichts bis dahin? Leute, die es mit den Lizenzbestimmungen von Apple nicht so genau nehmen wie ich dürften bei der Meldung, dass die Firmware 1.1.1 eine Sicherheitslücke hat und über besonders präparierte TIFFs beliebiger Code ausgeführt werden kann, hellhörig geworden sein. Recht schnell entwickelte sich unter dem Schlüsselwort „Jailbreak“ eine Reihe von immer einfacher bedienbaren Anwendungen, mittlerweile reicht es bereits, eine spezielle Website mit Safari zu öffnen, der Rest geht automatisch…man munkelt, es gäbe danach ein zusätzliches Icon „Installer“. Mit einem kleinen Trick kann man danach übrigens problemlos auf die aktuelle 1.1.2 updaten ohne dass diese Funktion wieder verloren geht.
Wer mal eine Linux-Paketverwaltung gesehen hat, wird sich im Installer gleich heimisch fühlen – man kann Anwendungen aus verschiedenen Gruppen wählen, die dann direkt aus dem Internet installiert werden. Natürlich kann man sie auch wieder deinstallieren. Das Angebot ist noch nicht riesig, wächst aber ständig – es gibt diverse kleine Spiele, Tools, PDF-Reader, diverse eBooks und auch Wörterbücher, da das Zeug auch alles auf dem iPhone läuft, entsteht da gerade eine nette kleine Entwicklerszene.
Besonders verwerflich wird es, wenn man im Installer eines der ganz bösen Software-Repositories nachträgt – dort gibt es dann die original iPhones Applikationen. So habe ich mir sagen lassen, dass man damit Google Maps auf dem iPod hat und sich Karten und Satelittenbilder in durchaus akzeptabler Geschwindigkeit ansehen kann, mit einem pfiffigen Mailprogramm das für die gängigen Provider schon vorbereitet ist Mails lesen und schreiben kann, ein zusätzliches Notizbuch hat und sich Wetter und Börsenkurse anschauen kann. Natürlich hätten die ehrlichen iPod Touch User wie ich das alles auch gerne und deshalb bleibt erst mal der Frust und die Frage, warum Apple das nicht mit draufpackt – wollen sie ihrem tollen iPhone keine Konkurrenz machen? Wir werden es wohl nie erfahren.
Mein Fazit: Sehr schönes Gerät mit wie immer bei Apple sehr durchdachter Bedienung, das leider durch iTunes-Zwang von den zahlreichen Unzulänglichkeiten dieser Software behindert wird. Hinzu kommt die technisch nicht begründete Einschränkung auf wenige Anwendungen, der einzige Weg, zusätzliche Anwendungen zu verwenden ohne die Lizenzvereinbarung zu brechen ist z.Z. der über Safari, aber das soll ab Februar ja anders werden wenn das DevKit kommt. Ich würde es trotzdem jederzeit wieder kaufen, es macht einfach Spaß.

5 Kommentare ↓
Fatal error: Call to undefined function: comment_favicon() in /homepages/5/d110003646/htdocs/wp-content/themes/copyblogger_de/copyblogger_de/comments.php on line 46